Geschichte des Kivinan-Bildungszentrums Zeven
 
 
Am 21. Juli 1838 legte der Volksschulleiter E.W. Zeigler dem Magistrat der Stadt Bremervörde ein Gutachten vor, in dem „die Notwendigkeit einer Verbesserung“ des städtischen Schulwesens gefordert wurde. Insbesondere wurde angeregt, „für die weitere Bildung der Töchter angesehener Eltern“ schulische Einrichtungen zu schaffen. Es wurde vorgeschlagen, eine Art Haushaltungsschule ins Leben zu rufen. Aus den Akten ist nicht festzustellen, ob der Gedanke auch tatsächlich verwirklicht wurde.
 
Auf Privatinitiative der verw. Frau Oberhauptmann von der Decken (Schwinge) hingegen wurde eine „Armenschule“ eingerichtet, in der Kinder armer Eltern unentgeltlich in „weiblichen Handarbeiten“ unterrichtet wurden. Diese Schule bildete gewissermaßen eine echte Vorstufe zur späteren Haushaltungsschule. Als Unterrichtsraum stellte die Stadt einen Klassenraum in ihrem Schulgebäude zur Verfügung. Die Finanzierung des Instituts erfolgte aus den Überschüssen, die von den anderen Schulen erwirtschaftet wurden.
 
Es versteht sich am Rande, dass diese „Armenschule“ nur eine geringe Ausstrahlungskraft besaß. Den Analen ist das Ende der Schule nicht zu entnehmen.
 
Für die Ausbildung der Jungen wurde von der Handwerkerschaft beim Magistrat der Stadt Bremervörde angeregt, eine Gewerbeschule zu schaffen. Begründet wurde der Vorschlag mit einer notwendigen Verbesserung der Kenntnisse der Handwerksgesellen und -lehrlinge. Nach mehreren Vorgesprächen wurde am 31. Mai 1849 von einem zu diesem Zwecke zusammengetretenen Komitee beschlossen, eine solche Anstalt einzurichten. Im November des gleichen Jahres nahm dann der neue Schulzweig den Unterrichtsbetrieb auf. Wie gern die neue Anstalt angenommen wurde, dokumentiert sich bereits darin, dass sich 53 Gesellen und 43 Lehrlinge zum Besuch anmeldeten. Sicherlich wurden nicht alle Bewerber berücksichtigt, denn nur eine Klasse wurde geführt.
 
Vier Lehrkräfte übernahmen den Unterricht und bildeten das erste „Kollegium“. Ein Schulvorstand leitete die Anstalt, während der Magistrat die Oberaufsicht führte. Dem Schulvorstand gehörten vier Personen an, von denen der Magistrat und die Lehrer je einen, sämtliche Handwerksmeister der Stadt die weiteren zwei Mitglieder benannten. Als erste Lehrer amtierten
 
der Rektor Tolle (deutsche Sprache)
der Lehrer von Gerken (Schönschreiben)
der Postverwalter Lietzen (Zeichnen)
und der Lehrer Zeitler (Rechnen)

Rechnen und Schönschreiben wurden am Sonntag von 13:00 bis 16:00 Uhr unterrichtet, am Sonnabend wurde von 20:00 Uhr Zeichnen gelehrt, während jeweils montags von 20:00 bis 21:30 Uhr in „Deutscher Sprache“ unterwiesen wurde.
Der Unterricht wurde nur im Winterhalbjahr erteilt, und zwar wie in den Statuten zu lesen ist „Von Michaelis bis zu Ostern“.
Die Gewerbeschule erhob ein Schulgeld, zu dem das Königliche Hannoversche Finanzministerium am 12. November 1849 eine „Beihülfe zu den Kosten einer darselbst zu begründenden Gewerbeschule“ in Höhe von 30 Talern Courant leistete.
Erste Beweise für die erfolgreiche Arbeit dieses Schulzweiges zeigten sich bereits 1851. So weiß der Schulvorstand der Gewerbeschule am 3. Januar 1851 zu berichten, dass „die Fortschritte in allen Lehrzweigen erfreulich, der Besuch der Lehrstunden ziemlich regelmäßig, der Fleiß bei der großen Mehrzahl wohl rühmlich und nur bei wenigen Schülern ungenügend, das Betragen während des Unterrichts ohne Ausnahme musterhaft sei.“
 
In den folgenden Jahren interessierten sich immer mehr Handwerker für die neue Bildungseinrichtung. 1876 mussten zwei Klassenzüge geführt werden, wobei nach den Leistungen (nicht wie heute nach Branchen) differenziert wurde. Diese Entwicklung lässt darauf schließen, dass sich die Schule erfreulich entwickelte. Jedoch klagten die Lehrer immer wieder, weil nicht alle Lehrlinge die Gewerbeschule besuchten.
 
Bereits 1860 wurde die Schule der Königlichen Verwaltungskommission in Hannover unterstellt.
 
Im Laufe der Jahre mehrten sich die Klagen, dass die Volksschulkenntnisse und Fertigkeiten der Lehrlinge für eine höhere Fachbildung nicht ausreichten. Diese Lücke sollte die Gewerbeschule durch verstärkte Nachhilfe in den allgemeinbildenden Fächern füllen.
 
Für eine Anstalt, der diese zusätzliche Aufgabe übertragen worden war, eignete sich kaum noch der einfache Name „Gewerbeschule“. Dieser Einsicht beugte sich auch im Jahre 1881 die Königlich Preußische Landdrostei, die ein neues Statut genehmigte. Dieses bestimmte u. a., die Schule fortan als „Gewerbliche Fortbildungsschule“ zu führen.
Ein Versäumnis des Unterrichts wurde ebenso wie ein nicht An- oder Abmelden bestraft. Die Akten berichten allerdings auch, dass sich häufig Schule und Handwerker heftig stritten, wenn es galt, ein Bußgeld einzuziehen. Das Statut verpflichtete alle Lehrlinge und Gesellen unter 18 Jahren zum Besuch der Schule. In den folgenden Jahren wurde die Schulpflicht erweitert, als auch alle Arbeiter unter 18 Jahren (also nicht mehr nur Lehrlinge) aus Handwerks- und Fabrikbetrieben berufsschulpflichtig wurden. Dadurch wuchs die Schule so an, dass mehrere Klassen gebildet werden mussten. Eine gewisse Gliederung in Klassen wurde weniger nach Berufen als nach Schülern vorgenommen. Selbstverständlich mussten auch mehr Lehrer eingestellt werden, die allerdings alle noch nebenamtlich beschäftigt wurden. Der Unterricht wurde ganzjährig durchgeführt.
 
Einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte der Berufsfachschule brachte das Jahr 1912. Die Fortbildungsschule konnte ihr erstes eigenes Schulgebäude beziehen. Aus den bescheidenen Anfängen „ als Untermieter“ der Volksschule hatte sich das berufliche Schulwesen „gemausert“ und räumlich konsolidiert. Bis zum Umzug im Jahre 1960 wurde dann dieses Gebäude in der Ludwig-Jahn-Straße benutzt.
 
Gliederte man bisher die Schüler in Klassenverbänden nach Alter und Befähigung, so wurde ab 1912 aufgrund ministerieller Bestimmungen nach Gewerbezweigen differenziert. Es entstanden die Abteilungen
 
1) Metallgewerbe
2) Baugewerbe
3) Nahrungsgewerbe
4) gemischte Berufe.
 
Die Abteilungen wurden - sofern möglich - in drei aufsteigende Klassen aufgegliedert. Damit wurde an der Bremervörder Schule das Prinzip eingeführt, das an den Berufsschulen noch heute gilt, die Lehrlinge in Fachklassen zu unterrichten.
Noch vor dem ersten Weltkrieg dehnte man die Berufsschulpflicht auf alle ungelernten Arbeiter aus.
 
Nach dem 1. Weltkrieg wurden auch die weiblichen Handwerkslehrlinge berufsschulpflichtig. Gleichzeitig wurde der Unterricht von den Abend- in die Tagesstunden verlegt. Inhalt des Unterrichts war es immer noch, den Stoff der Volksschule zu wiederholen und zu vertiefen. Im Jahr 1920 schließlich änderte die Fortbildungsschule ihren Namen in Berufsschule um.
 
Die ersten hauptamtlichen Gewerbelehrer lösten im Jahr 1930 die bislang tätigen Volksschullehrer und Handwerksmeister ab. Die Arbeit der ersten Lehrer aus der Pionierzeit der Berufsschule zu würdigen und der Vergessenheit zu entreißen, wäre für manchen Historiker eine dankenswerte Aufgabe.
 
Aus den ersten mühsamen Anfängen war somit im Laufe von fast 90 Jahren ein Institut entstanden, das den Namen „Berufsschule des Kreises Bremervörde“ tatsächlich verdiente.
 
Die dann folgende Entwicklung ist den meisten Bürgern des Landkreises Bremervörde noch in guter Erinnerung, so dass nur einige wesentliche Höhepunkte zu erwähnen sind.
 
Verschiedene gesetzliche Regelungen zur Berufsausbildung bedingten, dass ein immer größerer Kreis von Jugendlichen in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen berufsschulpflichtig wurde.
 
Die Namensänderung von der Fortbildungsschule in die Berufsschule bedeutete nicht nur eine Änderung des Türschildes, sondern vor allen Dingen einen unterschiedlichen Bildungsauftrag. Bis heute ist es oberstes Ziel der Berufsbildenden Schulen, den Unterricht berufs- und praxisnah zu gestalten und das berufliche Erlebnis des Jugendlichen in den Mittelpunkt der schulischen Ausbildung zu rücken. Die praktischen Fertigkeiten der Jugendlichen sollten neben allgemein erzieherischen Stoffen charakterbildend eingesetzt werden. Berufsbetont und berufsbegleitend sind seit 1928 Hauptmerkmale der Berufsschule.
 
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde 1945 der Unterricht mit zwei Klassen zunächst wiederum von Volksschullehrern und Handwerksmeistern aufgenommen. 1947 wurde ein Berufsschulzweckverband gegründet; zwei Gewerbeoberlehrer übernahmen den Unterricht. Die zu diesem Zeitpunkt im Landkreis Bremervörde noch existierenden fünf Fortbildungsschulen wurden 1948 aufgelöst und in die heutigen Berufs- und Berufsfachschulen mit den Schulorten Bremervörde und Zeven umgegliedert. Bereits 1949 wurden 1 147 Schüler in 29 Klassen unterrichtet.
Die Aufgaben des Berufsschulzweckverbandes übernahm 1954 der Landkreis Bremervörde. Unter seiner Trägerschaft sind in den folgenden Jahren in Zeven (1958) und in Bremervörde (1960) neue Gebäude für die Berufsschule errichtet worden.
 
Das besondere Interesse des neuen Schulträgers am Berufsbildenden Schulwesen zeigte sich aber nicht allein im Neubau von Gebäuden.
 
In Zeven-Aspe wurden alte Wehrmachtsbauten übernommen und als Internat der Bezirksberufsschule genutzt. Somit war es möglich, Lehrlinge aus so genannten Splitterberufen im Blockunterricht fachgerecht zu beschulen.
In den kommenden Jahren wurden weitere Gebäude umgebaut und errichtet, wie das Zentrum für Ernährungsberufe oder die Gebäude für die Bauberufe und so ein modernes und zukunftsweisendes Bildungszentrum geschaffen.
 
Im Jahr 2003 wurde auch durch einen neuen Namen die Modernität der einstigen Gewerbeschule dokumentiert. Aus der ehemaligen Kreisberufsschule wurde Kivinan1 -das berufliche Bildungszentrum.
 
1)Kivinan ist der alte Name für Zeven.
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